Mit Frauen - ohne Saufzwang



Rheinische Post, Lokalteil Duisburg, 08.12.2001

Mit Frauen - ohne Saufzwang

Wo lernt man für die Politikerkarriere? Marcel Lohbeck ist die Antwort klar: in einer Studentenverbindung. Vor rund einem Jahr gründete er mit vier Kommilitonen in Duisburg das Freie Corps "Corona Germania". Als Senior steht er an der Spitze des Kreises, der mittlerweile zehn Studenten umfasst. Lohbeck ist Juso. Eine Kombination, die viele staunen lässt.
Auch sein Freund Björn Geurtz steht zum gleichen Miteinander von studentischer Tradition und Sozialdemokratie.

"Für Politiker-Karrieren ist eine Verbindung nicht schadhaft", sagt Lohbeck. Immerhin habe auch Rezzo Schlauch einer Burschenschaft angehört. Und wer sich über die Verknüpfung von Corps-Geist und linkem Herz wundert, pflegt ohnehin nur die Klischees über Burschenschaften: undemokratisch, frauenfeindlich und rechtsradikal.

Gegen zwei dieser Vorurteile spricht die Parteizugehörigkeit von Lohbeck und Geurtz. Das dritte legt ab, wer die Jungs beim Stammtisch erlebt.
Denn da sind Mädels durchaus dabei. Nur Mitglieder können sie nicht werden. Und bei der studentischen Kneipe haben sie keinen Zutritt. "Das ist wie beim Fußball. Da gibt es für Frauen auch extra Vereine", sagt Geurtz.
Interessierte Damen könnten sich einer weiblichen Verbindung anschließen.

Gegen ein weiteres Vorurteil wehren sich die Studenten. "Es gibt keinen Saufzwang. Jeder entscheidet selbst, wie viel er trinkt." Verbindungen nachzusagen, dort würde nur getrunken, sei unfair. "In Kirchenchören und Kegelclubs bleiben die Leute auch nicht nüchtern. Aber da regt sich keiner auf", sagt Geurtz.

"In Duisburg gibt es nur wenige Verbindungen", erzählt Lohbeck. "Und denen fehlen die Studenten." Da freuten sich die Alte-Herren-Runden, wenn sie sich mit Nachwuchs treffen können - auch wenn der einer anderen Gruppierung angehört. Das Corps Corona Germania hat das andere Problem: Ihnen fehlen die Alten Herren, die mit Rat und Tat schon mal unter die Arme greifen können.

Das Verbindungsleben lernten die Duisburger bei Freunden in Heidelberg kennen. "Da haben wir uns gedacht: So etwas fehlt in Duisburg", erzählt Lohbeck. Aus einer Bierlaune heraus sei der Wunsch entstanden. Mit viel Optimismus wurde er umgesetzt - gemäß dem Corps-Wahlspruch: "Das Glück hilft den Mutigen." Der Name Corona Germania ist einfach zu erklären. Corona steht für eine studentische Gemeinschaft.

Dass mit der Gründung sehr viel Arbeit verbunden ist, das ahnte Lohbeck damals allerdings noch nicht. Das Semesterprogramm benötigt Vorbereitung und Planung. "In seiner Aktiven-Zeit sollte jeder mal einen Posten übernehmen", erklärt Geurtz. Dadurch lerne man, Verantwortung zu übernehmen. Eine gute Vorbereitung auf die Politiker-Karriere.

Von DIETER HILLA


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